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Es existiert seit längerem die Theorie, dass die massenhafte Ansammlung des körpereigenen Proteins „Alpha-Synuclein“ in ursächlichem Zusammenhang mit dem Sterben von Neuronen im Gehirn von Parkinson-Patienten steht. Dies beruht auf der Beobachtung, dass sich im Gehirn von Betroffenen sogenannte Lewy-Körper (das sind kleine Proteinen-Klumpen) bilden, die zu über 50 % aus Alpha-Synuclein bestehen. Da sich diese Lewy-Körper vermehrt in den Regionen des Gehirns finden, die bei dem jeweiligen Parkinson-Betroffenen Ausfälle zeigen (zum Beispiel reduzierter Geruchssinn), ist es naheliegend zu vermuten, dass diese Proteinansammlungen damit in Zusammenhang stehen.

Folgende Wirkstoffe werden derzeit gegen überhöhte Alpha-Synuclein-Konzentrationen entwickelt:

Lewy-Körperchen in melaninhaltigen Nervenzellen der Substantia nigra bei Parkinson-Krankheit. Quelle
Lewy-Körperchen in melaninhaltigen Nervenzellen der Substantia nigra bei Parkinson-Krankheit. Quelle

Das österreichische Biotechnologie-Unternehmen AFFiRiS AG mit Sitz in Wien hat bislang zwei Impfstoffe (PD01A und PD03A) entwickelt, die in Form von wenigen Dosen verabreicht werden und nach bisherigen Beobachtungen zumindest bei einem Teil der Probanden zur Ausbildung von spezifischen Alpha-Synuclein-Antikörpern führen. PDO1A hat Mitte 2014 eine klinische Studie der Phase 1 (d.h. die Erprobung des Wirkstoffs an Patienten unter Aspekt der Verträglichkdeit und Unschädlichkeit) erfolgreich absolviert. Dazu meldet die AFFiRiS AG am 31. Juli 2014 in einer Pressemitteilung:
„PD01A wurde in zwei verschiedenen Dosen (15 μg und 75 μg) an jeweils 12 Patienten in zwei Gruppen verabreicht. Alle Patienten erhielten vier Impfungen in monatlichem Abstand und alle führten die Studie bis zum Ende durch. Weitere acht Studienteilnehmer erhielten die beste verfügbare medizinische Versorgung inklusive einer Standardbehandlung ihrer Symptome und bildeten die Kontrollgruppe. Alle Studienteilnehmer wurden über 12 Monate hinweg regelmäßig untersucht und bewertet. Bei 50 Prozent der geimpften Patienten wurden in Serumproben Alpha-synuclein-spezifische Antikörper festgestellt. Zusätzlich konnten impfinduzierte Antikörper auch im Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) gefunden werden. … Die Auswertung der klinischen Endpunkte ergab einen Trend, konsistent über alle analysierten Parameter, hin zu einer Stabilisierung der geimpften Probanden im Vergleich zur nicht geimpften Kontrollgruppe“.

Der zweite Wirkstoff von AFFiRis namens PD03A befindet sich gerade in einer klinischen Studie der Phase 1, von der noch keine Ergebnisse publiziert wurden.

Das irische Unternehmen Prothena Corporation plc hat einen Wirkstoff entwickelt, der nach einer Einmalgabe das Alpha-Synuclein im Blut um bis zu 96% reduziert. Der Wirkstoff trägt den Namen PRX002 und wird derzeit in einer klinischen Studie der Phase 1 erprobt (siehe Pressemeldung). Dabei zeigt sich, dass PRXoo2 in verschiedenen Dosierungen von den Studienteilnehmern gut vertragen wird und die erwünschte Senkung des Alpha-Synuclein-Spiegels bewirkt.

Neuropore Therapies ist mit dem Wirkstoff NPT200-11, der sich an Alpha-Synuclein bindet und damit dessen Anhäufung verhindert, in eine klinische Studie der Phase 1 eingetreten. Dieser Ansatz reduziert die toxische Wirkung von Alpha-Synuclein und ist kann damit potenziell sowohl zur Prävention als auch zur Verlangsamung der Parinson-Krankheit eingesetzt werden.

Das Unternehmen Biogen entwickelt einen BIIB-054 genannten Antikörper, der sich an Alpha-Synuclein bindet und den Körper damit befähigt, dieses auszuscheiden. Um diesen Effekt zu überprüfen, führt Biogen eine klinische Studie der Phase 1 durch, in der der Gehalt von Alpha-Synuclein im Nervenwasser des Spinalkanals (Nervenkanal in der Wirbelsäule) gemessen wird. Der Spinalkanal ist direkt mit dem Nervenwasser im Gehirn verbunden, wodurch man Rückschlüsse auf die Alpha-Synuclein-Konzentration im Gehirn ziehen kann (siehe Pressemeldung).

Aufgrund der bisherigen Ergebnisse besteht die Hoffnung, dass mittels solcher Alpha-Synuclein-beseitigenden Wirkstoffen eine der Ursachen für die Parkinson-Krankheit wirksam therapiert und somit eine Verlangsamung oder ein Stopp des Krankheitsfortschrittes erreicht werden kann.
Die bereits entstandenen Schäden am Gehirn, beispielsweise im Bereich der Substantia Nigra, müssten ergänzend durch eine Zell-Ersatz-Therapie behoben werden, um insgesamt eine Heilung von Parkinson zu erreichen.

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